Une lettre pour l’Afrique

Liebes Afrika,

einen Brief schreibe ich nur, wenn ich viele Emotionen gegenüber einer Person formulieren möchte. Es ist einfacher, da der Empfänger einem nicht gegenüber sitzt und man offen alles niederschreiben kann, was einem auf der Seele brennt. So soll es auch dieses Mal sein. Ich war mitten drin, direkt vor dir, aber alles, was du mir gegeben hast, sehe ich nun erst vor mir. Deshalb schreibe ich dir diesen Brief, in der Hoffnung, dass du mich verstehen wirst.

Wir führen eine bizarre Beziehung, kennen uns noch nicht sehr lange. Und doch ist’s, als ob wir wie ein altes Pärchen zusammenlebten. Ich lief’ durch deine Straßen und grüßte deine Menschen. Ich aß täglich den Reis, den du mit dir bringst und manchmal, da stritten wir, weil ich deine Fische nicht essen wollte. Andere Menschen haben größere Probleme mit dir, werden sich nie an deine Unordnung gewöhnen. Sie kommen und gehen wieder. Wieder andere sind gezwungen, mit dir zu leben. Sie beschweren sich über die harte Arbeit, ein Leben in hoffnungsloser Armut und sinnlosem Dasein. Sie wollen dich verlassen und wissen gar nicht, wie sehr dich das verletzt. Nun, aus der Ferne betrachtet, gefällt mir so viel an dir, die korrupten Köpfe zählen nicht dazu. Du hast ein großes Talent, manchmal sollten die Politikschaffenden die Kreativität deiner Artisten zu Gesicht bekommen. Leider versperren ihnen die hohen Mauern um ihre Gebäude die Sicht. Sie passen nicht zusammen. Aber auch das kann sich ändern.

Denn schau’ dir uns an! Wir leben nicht den gleichen Rhythmus. Doch höre ich die Klänge aus all’ deinen Straßenecken schallen, beginne ich zu tanzen. Und für einen Moment sind wir eins. In diesem kurzen Moment verstehe ich dich um einiges besser, nur um gleich wieder ein neues Rätsel zu entdecken.

Du steckst voller Geheimnisse, voller Überraschungen und Leben. Wie viele Briefe muss ich dir noch schreiben, um all’ das, was ich von dir lerne, zu verstehen?

Ich kann nicht ewig bei dir bleiben, aber wenn du willst, können wir Freunde bleiben.

Jörn

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