In Frankreich wird “par cœur” gelernt. Das bedeutet nicht etwa, dass man mit ganzem Herzen bei der Sache ist. Oder, dass man Herzblut in die Arbeit steckt; die Aufgaben mit Liebe bearbeitet. Vielmehr hängt der durchschnittliche französische Schüler dem Lehrer an den Lippen. Es ist eine tragische Beziehung mit einem unnahbarem Partner. Was der Mensch am Pult ausspricht, ist ein Gesetz, dem widerspruchslos gefolgt wird. Deswegen heißt es: auswendig lernen! Kein Hinterfragen im Sinne der Aufklärung, das höchste der Gefühle sind knappe Verständnisfragen. Während in Deutschlands Schulsystem autonome Fähigkeiten, Gruppenarbeit und kritisches Denken gefördert wird, predigen Frankreichs Pauker den Lehrplan herunter. Und obwohl der Ansatz gemeinschaftlichen Lernens hier bereits umgesetzt wurde, kleben die Jungen und Mädchen meist am eigenem Heft anstatt ein Unterrichtsgespräch zu provozieren. Nun soll das nicht heißen, dass in Deutschland alle Schüler interessiert und aufmerksam Inhalte studieren, stets motiviert bei der Arbeit sind und Sachverhalte hinterfragen. Aus der Schulzeit weiß ich, wie schwer es ist, nach Mathe, Englisch und Geschichte auch im Biounterricht noch Interesse zu zeigen. Sechs Stunden am Tag, 30 Stunden in der Woche, 1200 Stunden in einem Jahr immergleicher Unterrichtspädagogik ist für viele Schüler nicht zu ertragen. Hier in Figeac stelle ich mir also täglich eine Frage: wie nur kann ich das Herz des Schülers für ein neues Thema öffnen?